29.10.2020 | City Kino Wedding | 19 Uhr

RAPE CULTURE


Zum Film „Alles ist gut“ von Eva Trobisch


Es beginnt mit einer Party. Janne (Aenne Schwarz) lernt Martin (Hans Löw) kennen, sie trinken, lachen, stolpern nach Hause. Janne bietet Martin an, auf ihrer Couch zu übernachten. Doch Martin hat anderes im Sinn, will mit Janne schlafen. Die will das nicht, doch er bedrängt sie. Sie gibt nach. Dann geht er. Aber alles ist gut. Oder?

Janne geht zurück in ihren Alltag, wickelt mit ihrem Lebensgefährten Piet (Andreas Döhler) die Insolvenz des gemeinsamen Unternehmens ab und liebäugelt mit einer neuen Stelle. Piet ist wütend. Er möchte mit Janne aufs Land ziehen. Janne aber will den Job in der Stadt. Bei der Arbeit trifft sie den Schwager ihres neuen Chefs: Es Martin. Aber alles ist gut. Oder?

Was folgt ist ein langsamer Prozess der Verdrängung, der Bewusstwerdung, der Wut und der Hilflosigkeit. Janne gelingt es nicht, sich ihren Vertrauenspersonen gegenüber zu öffnen. Scham spielt hier eine Schlüsselrolle. Es ist eben doch nicht alles gut und die emotionale Schlinge zieht sich immer enger, bis Janne keine Handlungsoptionen mehr bleiben und sie und mehr und mehr die Kontrolle über ihr Leben verliert.

Regisseurin Eva Trobisch erzählt in Alles ist gut die Geschichte einer Vergewaltigung und bleibt dabei der Perspektive ihrer Hauptfigur durchgehend treu. Als Zuschauer_innen sind wir stets ganz nah bei Janne, sehen nur was sie sieht, erleben nur was sie erlebt, verstehen nur, was sie versteht.

ACHTUNG - TRIGGER WARNUNG: Wir wollen hiermit ausdrücklich darauf hinweisen, dass der Film eine bildliche Darstellung von Vergewaltigung enthält, die für Personen mit eigenen Gewalterfahrungen verstörend, belastend oder retraumatisierend sein könnte.



 Filmkritik auf filmloewin.de

In der an den Film anschließenden Diskussion wollen wir uns dem Thema sexualisierte Gewalt widmen - sowohl als Motiv, das unsere Kultur durchdringt, als auch als reales und strukturelles Phänomen in unserem Alltag. Dazu sprechen wir unter anderem mit der Autorin Dr. Mithu Sanyal („Vergewaltigung“) darüber, was eine sogenannte Vergewaltigungskultur - auf Englisch “rape culture” - ausmacht und fortbestehen lässt und wie wir in Film und Fernsehen verantwortungsvoll mit dem Thema umgehen können.


GÄST:INNEN




Foto: privat  

Dr. Mithu M. Sanyal, Autorin, Kulturwissenschaftlerin und Journalistin. Für ihre Hörspiele und Feature erhielt sie dreimal den Dietrich Oppenberg Medienpreis. Arbeit für WDR, SWR, Deutschlandfunk, Spiegel, taz, Bundeszentrale für politische Bildung, MISSY Magazine, SPEX etc.
Bücher u.a. „Vulva“ (Wagenbach), „Vergewaltigung. Aspekte eines Verbrechens“ (Nautilus.) Dafür wurde sie mit dem Preis „Geisteswissenschaften international“ ausgezeichnet.