10.11.2020 | City Kino Wedding | 19 Uhr

QUOTEN SCHOTEN


Zum Film „Männer zeigen Filme und Frauen ihre Brüste“


Die junge Regisseurin Isabell Šuba wird mit ihrem Kurzfilm Chica XX Mujer nach Cannes eingeladen. Gemeinsam mit ihrem Produzenten fliegt sie also zum bedeutendsten Filmfestival der Welt, um ihren Film dem Publikum zu präsentieren und das Konzept für ihren ersten Langfilm zu pitchen. Nur: Isabell Šuba ist gar nicht Isabell Šuba, sondern die Schauspielerin Anne Haug. Die echte Isabell Šuba akkreditiert sich unter falschem Namen als Filmstudentin, nimmt ein Filmteam mit nach Cannes und dreht einen Film über ihr irgendwie fiktives, aber eben doch auch reales Ich bei den Festspielen: Männer zeigen Filme & Frauen ihre Brüste.

Isabell Šuba geht mit dem Thema Sexismus in Cannes sehr subtil um. Die meiste Zeit arbeitet sie ausschließlich auf der Bildebene, zeigt herausgeputzte Frauen am roten Teppich neben gefeierten Regisseuren. Auf der inhaltlichen Ebene nutzt Šuba ihren Produzenten, um so ziemlich jedes sexistische Klischee aufs Tablett zu bringen und daraus große Komik zu entwickeln. 

Auch wenn die Regisseurin ihr fiktives Alter-Ego an einer Stelle sagen lässt, das Buddymovie sei ein männliches Genre, ist Männer zeigen Filme & Frauen ihre Brüste auf den ersten Blick genau das: ein herrlich unterhaltsames queeres Buddymovie. Aber dieses Buddymovie hat eine Menge zu sagen. Nicht nur über die Selbstdarstellungsbühne Cannes oder den dortigen Sexismus, sondern auch über die Regeln der Filmindustrie allgemein. Es ist schlichtweg unmöglich, aus diesem Film nichts zu lernen.



Filmkritik auf filmloewin.de

Auf der Bühne begrüßen wir an diesem Abend Regisseurin Isabell Šuba (die echte!) und Schauspielerin, Autorin und Aktivistin Mateja Meded. Gemeinsam wollen wir die Arbeitsrealität von Frauen und queeren Personen in der Filmbranche beleuchten. Wo liegen die Probleme und welche Lösungen gibt es? Ist die viel umworbene Frauenquote der Schlüssel zu mehr Gleichberechtigung? Und was brauchen wir, um unsere Film und Fernsehwelt wirklich vielfältig zu gestalten?


GÄST:INNEN



Foto: © Hannes Casper

Mateja Meded absolvierte 2016 ihr Schauspielstudium an der Filmuniversität Babelsberg KONRAD WOLF. Während des Studiums arbeitete sie bereits als Schauspielerin am Maxim Gorki Theater in Berlin u.a. mit den Regisseur*innen Yael Ronen, Sebastian Baumgarten und Sebastian Nübling. Das Stück „Common Ground“, vom Ensemble und Yael Ronen gemeinsam entwickelt und geschrieben, war 2015 zum Theatertreffen eingeladen. Im gleichen Jahr begann Mateja Meded die Arbeit an ihrem Debütfilm „Berlin haha Harlekin“, der 2019 erscheint. Als Autorin ist sie u.a. tätig für DIE ZEIT, DIE WELT und das Fräulein Magazin. In ihren Artikeln bespricht sie die Zusammenhänge von Politik, Kunst und Gesellschaft.




Foto: © Nadja Klier

Isabel Šuba: Neben ihrer Arbeit als Spielfilmregisseurin von Filmen wie Der Barcelona Krimi 3 + 4, Hanni & Nanni - Mehr als beste Freunde oder Männer zeigen Filme & Frauen ihre Brüste hat Šuba das Mentoring Programm „Into the Wild“ ins Leben gerufen, ist als künstlerische Beratung für die Schauspielagentur AGENTEN & KOMPLIZEN tätig und erfand das Schauspiellabor „Whatever Works“. Mit dem Actiondrama Jetzt aber Ballett! beendete Šuba 2011 den ersten Teil des Studiums, wurde dann Stipendiatin des Begabtenförderprogramms der Konrad Adenauer Stiftung und schloss 2014 mit dem Titel der Meisterschülerin an der Filmuniversität Babelsberg das Studium ab. Nach der Einladung zum Filmfestival in Cannes, entstand 2013 ihr Debutspielfilm Männer zeigen Filme & Frauen ihre Brüste, für den sie unter anderem mit dem Max Ophüls Preis der Jugendjury und dem Preis für den gesellschaftlich relevanten Film ausgezeichnet wurde.


WORKSHOP




NEROPA für mehr Gendergerechtigkeit und Diversität


NEROPA Neutrale Rollen Parität wurde von der Schauspielerin Belinde Ruth Stieve entwickelt, um den Frauenanteil in Drehbüchern zu erhöhen und die Besetzung zu diversifizeren. In diesem Workshop stellt Stieve Hintergründe, Notwendigkeit und Wirkungsweise der Methode vor. Die Teilnehmenden erhalten die Möglichkeit, in Dreierteams die Anwendung von NEROPA für bestehende Drehbücher unter Anleitung durchzuspielen. Auch die Arbeit an eigenen Stoffen ist möglich. Schließlich wird der Ansatz von NEROPA in der Stoffentwicklung vorgestellt und ausprobiert. Der Workshop richtet sich an Autor:innen, Regisseur:innen, Produzen:tinnen, Caster:innen und Schauspieler:innen sowie generell Interessierte.

Anmeldung unter workshops@filmloewin.de



Foto: Lutz Aikele
Belinde Ruth Stieve
Die Hamburger Schauspielerin und Sprecherin Belinde Ruth Stieve arbeitet seit 2013 neben ihrer Arbeit vor der Kamera und am Mikrofon als unabhängige Empirikerin und Expertin. Sie analysiert und kommentiert schwerpunktmäßig die Situation von Frauen vor und hinter der Kamera in deutschen Film- und Fernsehproduktionen. Ihre empirischen Stichprobenanalysen sind umfassend, verlässlich und in der Branche anerkannt. Um nicht nur beschreibend sondern auch verändert zu wirken entwickelte Stieve verschiedene Methoden, so das Gender & Diversity Tool NEROPA (2016) und den Ansatz „2 von 6“ (2018). Sie ist außerdem gefragt als Speakerin und auf Panels, und sie führt verschiedene Workshops durch.

https://schspin.stieve.com / https://neropa.stieve.com