15.10.2020 | Wolf | 19 Uhr

INSTAFEMINISMUS


Zum Film „Searching Eva“ von Pia Hellenthal


Model, Sexarbeiterin und Musikerin Eva Collé ist eine dieser Personen, die ihr ganzes Leben öffentlich machen. Oder anders formuliert: Eva Collé ist eine dieser Personen, die ein Leben öffentlich machen. Der direkte Blick in den Alltag und die Gedankenwelt der jungen Frau könnte die tatsächliche Aufgabe von Privatsphäre darstellen oder einfach nur eine sehr gelungene Inszenierung sein. Oder ist das Leben am Ende immer eine Art von Inszenierung?

Die nicht selten expliziten Bilder des Dokumentarfilms von Pia Hellenthal werden begleitet von Auszügen aus Eva Collés Blog, in denen sie nicht nur ihre Lebensgeschichte erzählt, sondern auch über feministische Diskurse und den Sexismus in ihrem Heimatland Italien referiert sowie tiefe Einblicke in ihr Seelenleben gewährt. Collé macht sich im doppelten Sinne nackig, steht nicht nur ausgesprochen gerne ohne Kleider vor der Kamera, sondern bietet durch die Offenlegung ihrer Schwächen auch eine emotionale Angriffsfläche. Gleichzeitig ist ihr entblößter Körper auch ein machtvoller Befreiungsschlag, eine Wiederaneignung, ein „Mein Körper gehört mir“ mit dem Zusatz „und ich darf ihn zeigen, wem ich will“.

Searching Eva wirft ein neues Licht auf die weibliche Selbstdarstellung im Internet, holt sie aus der narzisstischen Schmuddelecke und hebt sie aufs Podest des zeitgenössischen Feminismus.



Filmkritik auf filmloewin.de

Nach dem Film erzählen Instagrammerinnen von ihrem Online-Leben. So nutzt beispielsweise Lina Lätitia Blatt alias "vulvaaaart" bzw. “glitterclit_” Instagram als Medium für sexpositive Kunst, Latifah Cengel wiederum bespielt ihren Kanal mit politischen Inhalten zu Rassismus und intersektionellem Feminismus. Gemeinsam wollen wir darüber nachdenken, ob und unter welchen Vorzeichen Instagram als Blick in unsere Privatleben eine Bühne für Feminismus sein kann.


GÄST:INNEN

Foto: Katharina Dubno 

Lina Lätitia Blatt
Lina Lätitia Blatt arbeitet und lebt als Künstler*in in Frankfurt am Main. Im Rahmen ihrer* künstlerischen Arbeit beschäftigt sie* sich mit gesellschaftlichen Strukturen und dem Verhältnis zu darin enthaltenen Positionen. In diesem Kontext verhandelt Lina Lätitia Blatt u.a. Themen wie Körper (und ihre Lesbarkeit), (die Zuweisung von) Gender, Räume (bauen/nehmen/geben) und dem Verorten in diesen Räumen. Ihr* Ausdruck ist installativ, performativ, fotographisch, filmisch, malerisch und sprachlich.

Lina Lätitia Blatt spricht als Referent*in u.a. über ihre* künstlerisch-politische Praxis, über queerfeministische Perspektiven auf und aus Körper(n) sowie über den künstlerischen Umgang mit (Un)Sichtbarkeit von gesellschaftlichen Strukturen. Zudem gibt sie* Workshops zu diesen Themenfeldern.

*Lina Lätita Blatt mag Fußnoten.



Foto: privat 

Latifah Cengel
Neben ihrer Arbeit beim als Redakteurin und Instagram Managerin beim RosaMag ist Latifah Cengel als Online Aktivistin unter dem Namen ‚Beauty_and_Politics‘ auf Instagram und Youtube unterwegs. Sie beschäftigt sich viel mit den Themen: Rassismus, Intersektionalität sowie intersektionellem Feminismus, LGBTQ+* und Lifestyle.

Im Juni 2020 hat sie außerdem den Verein ‚New Normal Saarland‘ gegründet, der einen Safe Space für marginalisierte Jugendliche bieten soll.